Next: Das offene elektronische Up: B.FrickeL.Weisel, M.Bischoff: Previous: B.FrickeL.Weisel, M.Bischoff:

Einleitung

Schlagworte von ,,Datenautobahnen`` in einer ,,vernetzten Gesellschaft`` oder vom ,,elektronischen Publizieren`` in einem ,,papierlosen Büro`` finden wir immer häufiger auch im wissenschaftlichen Bereich. Tatsächlich bedienen sich ganze Forschungsrichtungen, wie die Hochenergie-Physiker, fast nur noch der schnellen Datennetze für ihre wissenschaftliche Kommunikation und zum Austausch ihrer elektronischen Preprints - bei Bedarf auch im Volltext und mit grafischer und audiovisueller Information. Für den größeren Teil der Naturwissenschaftler, zumal in Deutschland, ist das elektronische Medium für die Nutzung im Publikationswesen noch eher suspekt. Verständlich, denn wer sich einmal im Internet verlaufen hat, ohne auch nur eine einzige für ihn wertvolle Information gefunden zu haben, möchte nie wieder in der Informationsflut ertrinken.

In der DPG gibt es nun Ansätze, gemeinsam mit anderen Fächern und im internationalen Kontext zur Entwicklung von Ordnungsprinzipien für die elektronische Verbreitung von wissenschaftlichen Publikationen, Fakten und Daten im Netz beizutragen. Ein Antrag zur Förderung beim Aufbau eines wissenschaftlichen Informationssystems mit verteilten Datenbanken soll beim Bundesminister für Forschung und Technologie gestellt werden.

Die Forschung lebt vom intensiven weltweiten Austausch wissenschaftlicher Ergebnisse und Erkenntnisse. Die wissenschaftlichen Zeitschriften vermitteln diesen Austausch und sichern mit ihren Gutachtersystemen die Qualität der Publikationen. ,,Elektronische Fachinformation`` kann dabei mit ihrem Angebot an Referenzdatenbanken den Forscher beim Auffinden der für ihn relevanten Literaturstellen zwar unterstützen, sie bietet aber im Bereich der Physik bisher selbst kein Forum für wissenschaftlichen Informationsaustausch. Das weitgehend fehlende Angebot an Volltext- und Faktendatenbanken ist sicher ein wichtiger Grund für die nur zögernd wachsende Akzeptanz elektronischer Medien für den Austausch wissenschaftlicher Informationen.

Für eine breite wissenschaftliche Öffentlichkeit zugänglich und für industrielle Anwendung nutzbar sind die Forschungsergebnisse erst, wenn sie in Zeitschriften gedruckt und damit endgültig und dauerhaft vorliegen. Dann sind aber seit ihrer Entstehung bereits viele Monate, oft sogar mehr als ein Jahr vergangen. Angesichts des immer schneller werdenden Wachstums an wissenschaftlicher Information wirken sich diese langen Wege des klassischen Publikationswesens außerordentlich wettbewerbshemmend aus. Die wissenschaftlichen Kongresse und Fachtagungen werden darum schon immer auch als Forum für den direkten Austausch aktueller Forschungsergebnisse genutzt. Aus dem wechselseitigen Versand der Vorabdrucke von Veröffentlichungen ist eine regelrechte ,,Preprint-Kultur`` entstanden. Allerdings wird für diese Kommunikation nicht mehr ausschließlich die Papierform gewählt. Zunehmend werden auch die neuen elektronischen Mittel genutzt. Über das weltweit verbundene und rasch wachsende Daten-Netz (internet) werden persönliche Briefe verschickt (e-mail), öffentliche Nachrichten verbreitet (news), Konferenzen geschaltet, direkte Rechnerverbindungen hergestellt (telnet) sowie Daten und Softwareprodukte ausgetauscht (file transfer protocol, ftp) [10].

Völlig getrennt und unabhängig von den klassischen kommerziellen elektronischen Datenbanken der Fachinformationszentren wächst im Internet zur Zeit sehr rasch ein für den Benutzer kostenfreies Angebot an wissenschaftlicher Information. Sie gibt es in Form von Texten (preprints), Graphiken, Bildern, wissenschaftlichen Filmen und akustischer Information (Sprache, Musik). Seit die Medien zur elektronischen Speicherung von Text und Bild billiger geworden sind, als das Papier für ihre gedruckte Form, ist die Kapazität dafür als nahezu unbegrenzt anzusehen.

In der nächsten Zukunft wird sich im Wettbewerb zu diesen Diensten auch das bisherige klassische Publikations- und Fachinformationswesen der neuen Kommunikationsmittel bedienen müssen. Dazu ist es jetzt geboten, Standards zu entwickeln und Normen zu setzen, um die konkurrierenden und sich gegenseitig ergänzenden Angebote zu einem qualitativ hochwertigen offenen elektronischen Informationssystem zusammenzuführen.



Next: Das offene elektronische Up: B.FrickeL.Weisel, M.Bischoff: Previous: B.FrickeL.Weisel, M.Bischoff:


diekmann@merlin.physik.uni-oldenburg.de